Interview mit dem Stadtorchesters Peine
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Thomas -
2. März 2026 um 14:45 -
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Das Stadtorchester Peine ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Peine. Was in den 1950er-Jahren als Spielmannszug begann und sich 1977 zum Blasorchester weiterentwickelte, mündete 1992 in die Gründung des heutigen Vereins. Seitdem ist viel passiert: musikalisch, organisatorisch und auch menschlich.
Im folgenden Interview spricht das Stadtorchester über seine Anfänge, prägende Persönlichkeiten wie Wilhelm Kammerer, wichtige Entwicklungsschritte und darüber, wie sich das Ensemble über die Jahre zu einem modernen, leistungsstarken Blasorchester entwickelt hat.
Seit wann gibt es das Stadtorchester Peine und wie hat sich das Orchester in dieser Zeit entwickelt?
Das Stadtorchester Peine wurde 1992 gegründet, als es aus einem Spielmannszug zum Blasorchester wurde. Das Blasorchester, als Grundstein des Vereins, entstand 1977 als Fortentwicklung eines in den 1950er Jahren gegründeten Spielmannszuges und war zunächst nur eine Abteilung eines Ilseder Sportvereins. Unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Kammerer konnte sich das Orchester aber schnell weiterentwickeln und schon bald waren schwere Stücke auf dem Niveau der Oberstufe kein Problem mehr. Im Jahr 1992 wurde das Orchester ein eigenständiger Verein unter dem Namen Musik- und Sportgemeinschaft Ilsede (kurz: MSG Ilsede). Seit 2001 hat der Verein seinen Sitz, die Bernhard-Lott-Musikhalle, in Peine, die eigenständig für die Vereinszwecke umgebaut wurde und nun der ganze Stolz des Vereins ist. Im Jahr 2015 verstärkte der Verein die Bindung zur Stadt Peine und wurde zum „Stadtorchester Peine – Musik- und Sportgemeinschaft von 1992 e.V.“ Auch musikalisch ging es seit der Vereinsgründung bergauf: 1994 und 1998 ging die MSG bei den Deutschen Turnfesten in Hamburg und München als Turnfestsieger hervor. Seitdem nahm die MSG regelmäßig an Turn- und Musikfesten teil und stellte sich dabei nicht nur dem Vergleich mit anderen großen Blasorchestern, sondern auch dem Urteil der Fachjury. Bislang konnten wir uns und die Stadt Peine mit den Prädikaten „Sehr gut“ und „hervorragend“ präsentieren. Seit 2024 hat Anton Wagner-Shibata unsere Leitung übernommen und wird uns sicherlich mit seiner akribischen und abwechslungsreichen Probenarbeit auch in den nächsten Jahren weiterbringen.
Was macht das Stadtorchester Peine aus Ihrer Sicht besonders?
Besonders ist für uns die starke Gemeinschaft. Der Austausch untereinander, das Miteinander und vor allem der Spaß, sowohl beim und neben dem Musizieren, machen unser Orchester und unseren Verein aus.
Welche musikalische Ausrichtung verfolgt das Orchester heute?
Das Stadtorchester Peine besteht aus verschiedenen Ensembles und kann dadurch unterschiedliche Musikrichtungen bedienen. Das Große Orchester spielt überwiegend Pop, Originalwerke sowie Adaptionen klassischer Werke. In der Sommersaison sind wir außerdem bei Schützenfesten oder Platzkonzerten mit Jazz, Rock und Schlager im orchestralen Big-BandSound zu hören und heben uns damit bewusst von traditioneller Blasmusik ab. Die traditionelle Blasmusik wird von unserem Projektorchester „Peiner Böhmische“ gepflegt. Darüber hinaus widmet sich die Music Session Gang in kleinerer Besetzung der Musik der 1930er- bis 1950er-Jahre. Seit etwa einem Jahr gibt es außerdem ein kleines Orchester als Nachwuchsensemble, das besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger ideal ist.
Wie läuft die Probenarbeit ab und was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Bei jedem Ensemble läuft eine Probe unterschiedlich ab. Beim Großen Orchester beginnen unsere Proben beginnen mit einem gezielten Aufwärmen, bei dem bereits Tonarten, Rhythmen oder Artikulationen aufgegriffen werden, die unser Dirigent Anton später gezielt proben möchte. Anschließend arbeiten wir intensiv an ein bis zwei Stücken mit klaren Schwerpunkten. Weitere Werke werden geprobt und einzelne Passagen gezielt verbessert. Dabei nimmt Anton auch gern einzelne Stimmen auseinander, um zu verdeutlichen, wie die einzelnen Stimmen ineinander greifen sollten. In der Pause bleibt immer Zeit für Austausch, sowohl über Musik, als auch über Privates.
Welche Rolle spielt das Orchester für das kulturelle Leben in Peine und der Umgebung?
Wie man bereits an unserem Namen erkennen kann, fühlen wir uns eng mit der Stadt Peine verbunden. Wir organisieren regelmäßig Benefizkonzerte, um Einrichtungen in Peine zu unterstützen. Beim Peiner Freischießen sind wir natürlich auch an allen Tagen dabei und spielen für den TSV Bildung, mit dem sich über die Jahre eine enge Freundschaft gebildet hat. Am Freischießen ziehen wir aber nicht nur musizierend durch die Straßen, sondern dürfen auch am Freitagabend vor dem Feuerwerk ein Zeltkonzert beim TSV Bildung geben. Gleichzeitig schaffen wir mit unseren Auftritten immer wieder neue Veranstaltungen in der Peiner Kulturlandschaft. Mit unserem Picknickkonzerten im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit dem TSV Bildung eine Art eintägiges Live-Musik-Festival auf die Beine gestellt. Unser Jahreskonzert am 3. Advent, das immer unter einem anderen Motto stattfindet, ist unser Jahreshighlight und für viele in unserem Publikum zu einem festen Termin in der Jahresplanung geworden. Wie gelingt es, neue Musikerinnen und Musiker für das Orchester zu gewinnen? Viele Anfragen erreichen uns inzwischen über Social Media, wo wir Einblicke in Proben, Auftritte und unserem Vereinsleben geben. Aber auch bei Konzerten werden wir oft direkt angesprochen. Grundsätzlich freuen wir uns immer über neue Musikerinnen und Musiker unseren Reihen.
Welche Auftritte oder Projekte sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Dieser Frage wird jede und jeder im Orchester etwas anders beantworten. Manche Jahreskonzerte, die besonders schön waren und besonders viel Spaß gemacht haben, bleiben in Erinnerung. Ein besonderer Auftritt, den wir in dieser Form so schnell nicht wieder erleben werden, war unser Konzert beim Europaschützenfest 2015 in Peine, bei dem wir vor ein paar tausend Menschen auf dem Festzelt gespielt haben und die Stimmung einfach grandios war. Besonders sind für uns darüber hinaus die Musik- und Sportfeste. Diese mehrtägigen Fahrten stärken unsere Gemeinschaft und sind musikalisch besonders herausfordernd, weil wir immer bestrebt sind am Wertungsspiel teilzunehmen und uns mit anderen Orchestern zu vergleichen.
Welche Herausforderungen bringt die Vereins- und Orchesterarbeit heute mit sich?
Wir sind ein ehrenamtlicher Verein und damit auf das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder angewiesen. Viele Mitglieder bringen sich mit großem Einsatz ein: Sei es in Arbeitskreisen, im Vorstand oder auch bei Arbeitsprojekten in unserer Musikhalle. Dennoch ist es eine Herausforderung, neben Beruf und Alltag genügend Zeit für die Vereinsarbeit zu finden. In der Orchesterarbeit ist es außerdem mittlerweile eine große Herausforderung neue Musikerinnen und Musiker zu akquirieren. Wir sind sicherlich mit über 110 aktiven Musikerinnen und Musikern in unseren Formationen gut aufgestellt, aber trotzdem suchen wir in einigen Registern immer wieder neue Leute. Aktuell suchen wir zum Beispiel HornistInnen, TrompeterInnen und FlügelhornistInnen sowie Verstärkung im Schlagwerk.
Woran arbeiten Sie aktuell und worauf können sich Zuhörerinnen und Zuhörer in nächster Zeit freuen?
Das Große Orchester bereitet sich aktuell auf das Benefizkonzert am 25. April für die Peiner Tiertafel vor. Außerdem hoffen sowohl das Kleine als auch das Große Orchester auf einen Auftritt beim Tag der Niedersachsen in Braunschweig, um uns auch mal in neuer Umgebung präsentieren zu können.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Stadtorchesters Peine?
Wir möchten uns die Freude und Leichtigkeit unseres Vereinslebens unbedingt bewahren, denn der Spaß steht für uns als Hobbyorchester immer im Vordergrund. Gleichzeitig wollen wir uns natürlich auch musikalisch weiterentwickeln und auch neue InteressentInnen aufnehmen, um so neue Klänge, Stücke und Auftrittsmöglichkeiten zu entdecken.
Thomas Ungewiß Redakteur, Redaktion Antenne-Peine 02.03.2026 14:45