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Rede des Bürgermeisters Olaf Kruse – es gilt das gesprochene Wort-

  • Thomas
  • 24. April 2026 um 18:15
  • 326 Mal gelesen
  • 0 Kommentare
  • 34 Minuten
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Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt. Bitte beachten Sie, dass bei einer automatisierten Sprachsynthese kleine Ungenauigkeiten in der Aussprache auftreten können.

Liebe Gäste, in den vergangenen knapp sieben Jahren habe ich einige Neujahrs- und Frühjahrsempfänge mit meiner Rede eröffnen dürfen. Die diesjährige Rede ist für mich etwas ganz besonderes, denn sie wird meine letzte Rede im Rahmen des Frühjahrsempfanges als Bürgermeister der Stadt Sehnde sein.

Meine Amtszeit, die am 1. November 2019 begann, endet dieses Jahr zum 31. Oktober. Ich hatte bereits im letzten Jahr anlässlich unseres Frühjahrsempfangs mitgeteilt, dass ich nicht erneut kandidiere.

Tatsächlich ist der Frühjahrsempfang eine der Änderungen, die ich in meiner Amtszeit zu verantworten habe. Ziel war, zunächst vorrangig durch die Erfahrungen aus der Pandemie, die Ansteckungsgefahr, die der Neujahrsempfang bei kalten Temperaturen und in geschlossenen Räumen bot, zu minimieren und vor allem dem Empfang einen offeneren und weniger formellen Rahmen zu geben. Ein Erfolgsmodell und ein - wie ich finde - gut zu Sehnde passendes Event.

Locker, nahbar, offen, freundlich und gesellig.

Der Frühling steht für Aufbruch, für neue Perspektiven, Wachstum und Entwicklung, für Lebendigkeit und Gemeinschaft. So will ich auch in diesem Jahr wieder nach vorne schauen und Ihnen eine Aussicht auf die nähere Zukunft geben.

„Denn die Zukunft entsteht nicht von allein – wir gestalten sie jeden Tag. Ganz im Sinne von Willy Brandt, der sagte: ‚Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.‘“

Selbstverständlich werde ich auch darauf eingehen, was wir gemeinsam in den vergangenen Monaten erreicht haben und welche wichtigen Weichenstellungen wir uns für die Zukunft unserer Stadt vorgenommen haben.

Sehen Sie es mir bitte nach, dass der Rückblick heute etwas umfassender ausfällt als sonst. Sieben Jahre Amtszeit geben Anlass, die Zeit noch einmal in groben Zügen Revue passieren zu lassen und einige aus meiner Sicht wichtige Meilensteine in Erinnerung zu rufen.

Der Beruf des Bürgermeisters ist kein Lehrberuf. Er ist politisch, er ist sehr facettenreich und er verbindet ehrenamtliches und persönliches Engagement mit einer verantwortungsvollen Führungsposition. Ich bin für diesen ganz besonderen Beruf im Wahlkampf 2019 angetreten, weil ich mich für meine Heimatstadt Sehnde und alle hier lebenden Menschen einsetzen wollte.

Meine Triebfeder war und ist mein damaliges Leitmotiv zur Kommunalwahl: zuhören - entscheiden – umsetzen!

Die von mir beschriebenen Ziele von 2019 lasse ich wie einen roten Faden durch diese Rede laufen. Das ist ein guter Gradmesser für das, was wir erreicht haben. Und wenn ich von wir spreche, dann meine ich natürlich die Politik, die politisch verantwortlichen Personen und Parteien, aber auch und vor allem die Stadtverwaltung, die Kolleg*innen, die sich täglich für Sehnde und für eine funktionierende Gemeinschaft einsetzen. Sie leisten, in den Schulen, in den Kitas, in der Kinder- und Jugendhilfe, in den sonstigen städtischen Einrichtungen, auf dem Baubetriebshof, in der Verwaltung und in unseren städtischen Gesellschaften einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen unserer gemeinsamen Ziele.

Natürlich wissen wir alle, Politik und Stadtgesellschaft, um diese Leistungen und natürlich ist das auch ein bezahlter Job, aber ich durfte in den vergangenen sieben Jahren Menschen kennenlernen und erleben, die sich mit viel Engagement, Verantwortungsbewusstsein, Kundenorientierung und Fachwissen für das Gemeinwohl einsetzen. Sie verstehen sich als Dienstleistende für die Menschen in unserer Stadt und ihr Einsatz geht oft über das Selbstverständliche hinaus.

Ich bedanke mich herzlich bei allen Mitstreiter*innen für die Zusammenarbeit und Unterstützung!

Auch heute sind wieder einige Helfende aus dem Kreis der Kolleg*innen dabei. Vielen Dank an das Team der Mitarbeitenden aus der Verwaltung und des Baubetriebshofs sowie den Hausmeistern der KGS für die Planung, den Auf- und Abbau und das Umsorgen und Kümmern – Ihr Einsatz macht diese Veranstaltung erst möglich!

Mein Rückblick beginnt mit einer Pandemie. Drei Monate nach meinem Amtsantritt, am 30. Januar 2020, rief die WHO eine internationale Gesundheitsnotlage aus.

Die Corona-Pandemie stellte uns vor Herausforderungen, die wir nicht kannten und für die wir nicht gerüstet waren. Auf das Lernen von Begriffen wie Übersterblichkeit und Lockdowns, Mutationen und Varianten, Hygiene- und Lüftungsroutinen, Infektionsschutz und Abstandsregeln hätten wir alle gern verzichtet.

In der Verwaltung waren wir getrieben von permanent neuen Verfügungen übergeordneter Verwaltungseinheiten, von Informationsoffensiven und der Notwendigkeit der Einrichtung von Test- und Impf-Infrastruktur.

Bis April 2021 erlebte Europa drei Wellen der Pandemie und tatsächlich hat diese Notlage die Welt verändert.

Corona-Infektionen, Impfungen, die Einschränkung von Grundrechten, Kontaktverbote und die Schließung von Einrichtungen – all das ging auch mit langfristigen psychischen, physischen und gesamtgesellschaftlichen Folgen einher. Populisten wurde eine Spielwiese zwischen Zwang, Leugnung und Verschwörung geboten und so diente die Pandemie auch als Brandbeschleuniger für Autokratisierungstrends.

Apropos Autokraten: Kaum war die Pandemie auf der „Arbeitsebene“ überwunden, folgte die nächste Herausforderung, auf die wir nicht vorbereitet waren. Der Ukraine-Krieg, der 2014 begann und sich mit dem Russischen Angriff am 24. Februar 2022 intensivierte, hat bis heute massive humanitäre, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Auswirkungen auf die Ukraine, Europa, die ganze Welt und damit natürlich auch auf uns.

Nun, und spätestens seit einer der mächtigsten Männer der Welt, ein demokratisches Land nach seinem Gusto umkrempelt, Demokratie, Menschenrechte und Völkerrechte mit Füßen tritt, wissenschaftlich fundierte Tatsachen leugnet, unberechenbar agiert und lenkt und Kriege als neues Mittel der Macht einsetzt und dabei auf Verbündete zählen kann, sind wir mehr als zuvor gefordert uns für Ordnung, Recht und Demokratie hier vor Ort einzusetzen.

Das, was in der Welt passiert, hat natürlich - zumindest mittelbar - auch mit uns zu tun. Es hat auch Einfluss auf unser tägliches Handeln und unsere Arbeit.

Nach der seit dem Ende des zweiten Weltkrieges historisch längsten Phase des Friedens haben wir neue Handlungsfelder, die wir längst vergessen oder denen wir weniger Relevanz zugestanden hatten. Der Schutz unserer kritischen Infrastrukturen, Katastrophenschutzpläne, Rettung und Sicherheit müssen neu gedacht, geplant, geprüft und gestärkt werden.

Die Sicherheit unserer Bevölkerung ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. So haben wir die Stärkung und Unterstützung unserer Feuerwehr in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben. Mit dem neu geschaffenen Instrument des „Feuerwehrbedarfsplan“ und des ergänzenden „Strategiepapiers“ haben wir eine fundierte und politisch beschlossene Grundlage, die es Schritt für Schritt umzusetzen gilt – für einen leistungsfähigen Brandschutz und eine starke Gefahrenabwehr.

Mein besonderer Dank geht hier an die vielen ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner, die rund um die Uhr bereitstehen, Verantwortung übernehmen und oft unter Einsatz ihrer eigenen Sicherheit für andere da sind. Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich - es ist ein tragendes Fundament unseres Gemeinwesens.

Was die dringend notwendigen Neubauten und Ergänzungsbauten an den Feuerwehrgerätehäusern angeht, sind wir in den vergangenen Jahren nicht so weit gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das ist vor allem dem über Jahrzehnte hingenommenen Sanierungsstau geschuldet, den ich mit Amtsantritt übernommen habe.

Umso mehr freue ich mich, dass wir nach vielen Diskussionen, dem Ringen um die beste Lösung und dann auch einer klaren demokratischen Entscheidung nun mit den Arbeiten für den Bau einer neuen Feuerwache in der Kernstadt beginnen konnten. Umgesetzt wird der Neubau durch eine unserer städtischen Tochtergesellschaften. Das sorgt tatsächlich dafür – so ehrlich müssen wir sein, dass wir Bürokratie vermeiden und mit einer zügigen Fertigstellung rechnen können. Aber: die aktuelle Weltlage mit steigenden Rohstoffpreisen, erneut steigenden Baukosten und deutlicher Inflation können uns hier noch Herausforderungen bieten.

Die Unwägbarkeiten bei der Planung von Neubauten, Risiken im Bau und hohe Investitionskosten lassen sich vermeiden, wenn man schlüsselfertig baut. Das Sportzentrum Sehnde wurde in öffentlich privater Partnerschaft gebaut. Die vorbereitenden Planungen liefen bereits vor meiner Amtszeit, die vertraglichen Regelungen und Ausführungsplanungen dann bereits in meiner Amtszeit. Baubeginn für dieses ganz besondere Projekt war im August 2020 und bereits im Februar 2022 durfte ich die Schlüssel von der Firma Goldbeck entgegennehmen und das Sportzentrum eröffnen. Die Stadt Sehnde verfügt seitdem über einen Sportkomplex der besonderen Art mit zwei Hallen, Tribünen, verschiedenen Sporträumen und Nebenanlagen. Die Investitionskosten fließen in diesem Fall in die Unterhaltung der Anlage – die beläuft sich auf rund 85.000 € im Jahr.

Auf dem Dach des Sportzentrums befindet sich eine Photovoltaikanlage und mit der entsprechenden Speichereinheit gleich nebenan ist eine weitestgehend autarke Energieversorgung möglich und die Sporthalle kann auch durch die Möglichkeit einer Notstromeinspeisung und eines eigens dafür beschafften Aggregats als Katastrophenschutz-Leuchtturm dienen.

Die Nutzung vorhandener Dachflächen auf städtischen Liegenschaften für PV-Anlagen war eines meiner Ziele. Die Maßnahme ist wirkungsvoll und beeinträchtigungsfrei im Umfeld. Wir konnten einige hierfür geeignete Dächer inzwischen mit einer Anlage versehen lassen. Das geschieht aber im Regelfall nicht in Eigenregie, sondern durch eine unserer städtischen Gesellschaften oder die Energiegenossenschaft Lehrte-Sehnde. Wir treten im Regelfall als Verpächterin der Dachfläche auf.

Ruckelig wurde es rund um das Sportzentrum dann noch einmal im letzten Jahr, als der geplante Spiel-, Bolz- und Sportplatz zum politischen Streitfall wurde. Dass sich aktive Beteiligung und öffentliche Meinungsäußerung lohnt, zeigte sich am Schluss in der politischen Entscheidung. Hier erfolgt die Umsetzung der Freizeitfläche so, wie es eine Mehrheit der späteren Nutzenden auch wollte.

Leider sind die Bereiche für Gäste bei unseren politischen Sitzungen viel zu häufig leer und nur wenige interessieren sich für das, was die politischen Vertreter*innen für Sehnde bewegen, entscheiden und diskutieren.

Vor einigen Wochen, bei der Ratssitzung im März, wurde es wieder voll im Ratssaal. Befürwortende und Gegner*innen des Fahrradparkhauses bekamen Rederecht, die gegenteiligen Meinungen der Politik wurden diskutiert und am Ende kam es zu einer knappen, aber demokratischen Entscheidung für das Fahrradparkhaus am Bahnhof und im Ortszentrum von Sehnde.

Nicht immer können wir uns alle einig sein, Parteien stehen für unterschiedlichste Ausrichtungen, aber am Ende geht es immer um gute Entscheidungen für Sehnde, die Menschen, die hier leben und die Menschen, die hier einpendeln.

Ich freue mich, dass die Politik dem Projekt noch einmal eine Chance gibt und trotzdem den Aufwand für unseren städtischen Haushalt deckelt. Hier werden keine Steuergelder verschwendet, sondern es wird in die Zukunft investiert.

Meine Damen und Herren,

wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft schärfer geführt werden. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder auf die Grundsätze unseres demokratischen Miteinanders zu besinnen.

Demokratie lebt vom Austausch von Argumenten, vom Ringen um die besten Lösungen – aber sie lebt auch von Respekt, Fairness und der Anerkennung anderer Meinungen.

„Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.“

— Winston Churchill

Gerade in Wahlkampfzeiten wird deutlich, wie wichtig diese Haltung ist. Unterschiedliche Positionen gehören zur Demokratie, sie sind ihr Wesenskern. Doch bei aller inhaltlichen Auseinandersetzung darf eines nie verloren gehen: der respektvolle Umgang miteinander. Persönliche Angriffe, pauschale Verurteilungen oder die Abwertung Andersdenkender führen uns nicht weiter – sie schaden vielmehr dem Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen.

Lassen Sie uns deshalb gemeinsam dafür einstehen, dass politische Diskussionen in Sehnde sachlich, fair und von gegenseitiger Achtung geprägt bleiben. Denn am Ende verfolgen wir alle ein gemeinsames Ziel: das Wohl unserer Stadt und der Menschen, die hier leben.

Dem einen oder anderen politisch Verantwortlichen und politisch Ambitionierten empfehle ich eine wahre Märchenstunde, zum Beispiel

Der Hase und der Igel, Der gestiefelte Kater, Die Bremer Stadtmusikanten, Die goldene Gans…

Diese Märchen transportieren zentrale Prinzipien wie:

• Ehrlichkeit

• Respekt gegenüber „Gegnern“

• Fairness statt Täuschung

• Mut zur Wahrheit

• Zusammenarbeit statt Spaltung

Der bekannte Schiedsrichter Deniz Aytekin hat sich Mitte März zu Wort gemeldet und über seine Erfahrungen im Umgang mit ihm in öffentlichen Foren berichtet. So wie bei ihm stehen auch im Amt des Bürgermeisters Entscheidungen an, für die man keinen oder nur wenig Applaus erwarten darf. Aber so wie er haben auch die Bürgermeister*innen hierfür keine menschenverachtenden Äußerungen, nicht belegte Vorwürfe und Beschuldigungen oder Beleidigungen bis zu Hasstiraden verdient. Es braucht inzwischen wahnsinnig viel innere Stabilität, um damit umzugehen.

Und ich bin enttäuscht darüber, wie sich manche politischen Entscheidungsträger widerspruchslos mit dem Vorgehen ihrer Wählerschaft entweder arrangiert haben oder in öffentlicher Sitzung in gleichlautender Art und Weise das Zepter schwingen.

Auch hier gibt es ein Gegenmittel: mehr Reflexion, mehr Dialog, mehr echtes Interesse am Gegenüber.

Die über Jahrzehnte hinweg mangels grundlegender Maßnahmen notwendig gewordenen umfangreichen Sanierungen haben uns und letztlich in verantwortlicher Funktion mich durch meine gesamte Amtszeit begleitet. Es war viel Arbeit und viel Geld notwendig, um hier Abhilfe zu schaffen und uns zukunftsfähig aufzustellen. Probleme erledigen sich nicht, indem man sich einfach nicht kümmert – wer so handelt, schafft größere Probleme für später.

Im Bereich der Sportstätten waren wir in allen Sporthallen (Bolzum, Höver, Sehnde, Rethmar und Ilten) tätig. Vom neuen Hallenboden über neue Umkleidekabinen und eine Dachsanierung, bis hin zu einer neuen Heizungsanlage war alles dabei und auch die Sportanlage Trendelkamp konnte saniert und dabei für die Leichtathletik in geringem Umfang erweitert werden.

Ein Höhepunkt im letzten Jahr war die Inbetriebnahme des Neubaus der Sporthalle in Dolgen. Bauausführend war auch hier eine unserer städtischen Töchter.

Im Bereich der Schulen konnte der Bauteil W der KGS im August 2020 in Betrieb genommen werden. Die Baukosten betrugen 7,3 Mio. € und ich erinnere gern noch einmal daran, dass dieser Erweiterungsbau für die KGS Sehnde auf dem ehemaligen Grundstück der abgebrannten Sporthalle an der „Waldstraße“ realisiert wurde. Wir befinden uns heute im Bereich dieser Sporthalle.

Wir konnten den Erweiterungsbau der Grundschule in Höver in Betrieb nehmen. Ein besonders gelungener Anbau an das alte Bestandsgebäude, der auch über eine Mensa verfügt.

In der KGS haben wir in den vergangenen Jahren den Verwaltungstrakt, die Schulstraße mit der WC-Anlage und das Forum umfangreich saniert. Die Sanierung des Forums – das hört sich nach einem kleinen Projekt an, umfasste aber ein Brandschutzkonzept, die Schadstoff- und Oberflächensanierung, den Einbau einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung & Kühlung, eine neue Bühnenausstattung und die Modernisierung der alten Bestuhlung. Sanierungen beinhalten nicht selten eine ganze Reihe von Maßnahmen und häufig fällt das ganze Ausmaß der notwendigen Arbeiten erst dann auf, wenn das Projekt läuft.

Aus unterschiedlichsten Gründen war die Errichtung von Containeranlagen, so genannten mobilen Raumeinheiten, häufig notwendig. Meist, weil aus Gründen der mangelnden Kapazität zusätzlicher Raum benötigt wurde, aber auch weil aufgrund der Baufälligkeit bestehender Gebäude Ausweichlösungen während der Sanierungszeit gefunden werden mussten.

Der Entscheidungsprozess und die Umsetzung für An- und Neubauten sind meist langwierig und häufig fehlt es an geeigneten oder zur Verfügung stehenden Grundstücken. Die „Containerlösung“ schafft Zeit und ist finanziell gut kalkulierbar. Mit einem Genehmigungszeitraum von rund zwei bis vier Jahren sind die mobilen Einheiten aber keine dauerhafte Zwischenlösung.

Bis vor wenigen Jahren standen drei mobile Anlagen hier auf dem Gelände der KGS. Aktuell sind noch zwei Klassen der Grundschule Breite Straße auf der Fläche der ehemaligen Kindertagesstätte Ladeholz in der Ladeholzstraße vorhanden, und an der Grundschule in Ilten sowie Rethmar befinden sich je zwei Klassenräume in Containern.

Die kurzfristig wegen drohenden Einsturzes des Gebäudes der Kita Ladeholz, zu der Zeit unsere größte Einrichtung, erforderliche Verlagerung der Gruppen ergab sich wenige Tage vor meinem Amtsantritt am 01.11.2019. Man hatte mich aber wegen der Entscheidungen mit besonderer Tragweite bereits „beratend“ hinzugezogen. Mit Hilfe aller Beteiligter, den Erzieher*innen, Sorgeberechtigten und Mitarbeitenden in der Stadtverwaltung haben wir auch dieses Problem - nach meiner Einschätzung - gut gelöst.

Mit dem Neubau der Grundschule in Ilten wird ein ganz neuer Schulcampus entstehen und das alte Schulgebäude und die mobilen Raumeinheiten ablösen. In dem Bau werden neben dem Mehrbedarf aufgrund der gestiegenen Zahl an Schüler*innen auch die für den Ganztagsbetrieb der Schule notwendigen Raumeinheiten realisiert – und dabei dem Raumbedarf eines modernen Schulbetriebs gerecht.

Ich bin ein Befürworter von Ganztagsschulen, in denen die Kinder und Jugendlichen neben dem schulischen auch ein nachschulisches Betreuungsangebot erhalten. Nach „Schulschluss“ haben die Kinder dann ihre Hausaufgaben erledigt und können sich ganz ihren Freizeitaktivitäten widmen. Eltern können sicher planen und Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren. Auch dafür bin ich in meinem Wahlkampf angetreten.

Im Bereich der Betreuung der jüngsten Sehnder*innen wurde für die seit 2015 bestehende Kindertagesstätte in der „Hugo-Remmert-Straße“ in Ilten ein Erweiterungsbau umgesetzt. Aus der zweigruppigen Einrichtung mit einer Kita- und einer Krippengruppe wurde eine viergruppige Einrichtung.

Außerdem wurden die neuen Kindertagesstätten „Ladeholz“ und die von den „Johannitern“ betriebenen Einrichtungen „Maschwiese“ in Sehnde und „Donauallee“ in Rethmar eröffnet. Projekte, die weit über das Jahr 2026 hinauswirken, die Betreuungssituation deutlich verbessern und das Leben in Sehnde beeinflussen.

Perspektivisch planen wir bei unseren Einrichtungen der Kinderbetreuung eher in großen Einheiten, um Synergien im Bereich der Personalplanung und Vertretungsregelung zu erzielen.

Für den alten und auslaufenden Kindergarten Salzburg in Rethmar haben wir von der Politik grünes Licht für einen Modellversuch als Betriebs-Kita erhalten. Mit einer solchen Einrichtung könnten Sehnder Unternehmen ihren Mitarbeitenden aus anderen Wohnorten auch Betreuungsplätze für deren Kinder anbieten. Aktuell laufen die Bedarfsabfragen bei den Unternehmen, die in einer ersten Stimmungsabfrage durchweg positiv reagiert haben.

Auch wenn wir aktuell eine Vollversorgung im Bereich der Betreuungsplätze in den Kitas im Stadtgebiet melden können, ist unsere Stadtentwicklung weiterhin auf Wachstum ausgerichtet und wir müssen dafür sorgen, dass die Infrastruktur entsprechend mitwächst, im Idealfall vor dem Zuzug derjenigen, die diese nutzen wollen.

In den vergangenen Jahren wurden einige B-Pläne auf den Weg gebracht: „Im Mühlenfeld“ in Haimar wurden neben dem Feuerwehrgerätehaus insgesamt 17 Wohneinheiten geschaffen. Der B-Plan „Vorwerks Garten“ in Rethmar schaffte 70 Wohneinheiten, und das Gebiet „Backhausfeld“ in Rethmar weitere 130 Wohneinheiten. Die Baugebiete „Kleines Öhr“ und „Maschwiese“ in Sehnde wuchsen weiter und auch das Baugebiet „Neue Grundschule“ in Ilten wird attraktiven Wohnraum bieten.

Bereits in meinem Wahlprogramm war mir eine vorausschauende Stadtentwicklung für alle Generationen wichtig. Nicht immer konnten wir meinem Ansatz von möglichst geringem Verbrauch landwirtschaftlich genutzter Flächen gerecht werden, aber die Nachverdichtung in den Stadtteilen liegt auch nicht ausschließlich im städtischen Entscheidungsrahmen.

Leider zeigt sich in den vergangenen Jahren immer mehr, dass die Kosten bereits im Vorfeld, bevor ein Baugebiet hergerichtet werden kann, schon unkalkulierbar sind. Allein die archäologischen Untersuchungen und Gutachten bedeuten nicht nur empfindliche Zeitverzögerungen, sondern bergen auch die Gefahr von Kostenexplosionen. So liegen die Grundstückspreise im Mischgebiet Südtorfeld-West bereits bei bis zu 375 € m²und wir schaffen es im Rahmen der Vermarktung kaum auch nur unsere eigenen Kosten zu decken.

Die Verschuldung der Stadt Sehnde ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Verwaltung und Politik befinden sich nicht selten in einer Zwickmühle zwischen notwendigen Erneuerungen und Investitionen in die Zukunft und finanziellen Belastungen, die die kommenden Generationen schultern müssen.

Hier müssen wir aber auch ehrlich sein, denn das Kaputtsparen der Jahre davor ist uns in meiner Amtszeit auf die Füße gefallen. Wir werden unsere Ausgaben langfristig nur mit einer Verbesserung der Einnahmesituation ausgleichen können. Auch das gehört zur Wahrheit dazu. Wir dürfen nicht auf Finanzspritzen von Bund oder Land hoffen – vor allem nicht dauerhaft und langfristig. Dauerhaft und langfristig müssen wir aber unsere Einnahmesituation verbessern und das gelingt nur durch eine Steigerung der Steuereinnahmen. An einer Ansiedlung und Sicherung von Gewerbebetrieben im Stadtgebiet geht meiner Meinung nach kein Weg vorbei. Wichtig wird es sein, mit Weitsicht und Vernunft anzusiedeln, den Branchenmix zu erhalten und so für stabile Gewerbesteuereinnahmen zu sorgen. Das beinhaltet aber auch die Bereitstellung von Flächen für Gewerbeansiedlungen.

Die Förderung einer vielfältigen Wirtschaftsstruktur mit wohnortnahen Arbeitsplätzen ist und war ein weiteres Ziel für mich. Hier ist und bleibt eine enge, vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen unserer Wirtschaftsförderung und den Unternehmen im Stadtgebiet wichtig.

Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse zum Stichtag 30. September 2025 gegenüber dem Stichtag 30. September 2019 ist von 6.275 um 612 auf 6.887 gestiegen; die Zahl geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse von 1.577 um 88 auf 1.665.

Das sind genau 700 neue Arbeitsverhältnisse – mein großer Dank geht hier an die Arbeitgebenden in der Stadt Sehnde (neue und expandierende Unternehmen).

Im Gewerbegebiet Sehnde-Ost konnten wir gemeinsam mit der HRG verschiedene strategische Ansätze der Gewerbeansiedlung umsetzen. Wir bieten Sehnder Unternehmen eine neue Heimat und können so Abwanderungen in Nachbarkommunen verhindern. Wir konnten neue Unternehmen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen und wir konnten das Sehnder Gewerbeportfolio mit dem Avacon-Data-Center um Innovation und Datensicherheit ergänzen.

Als Basis für unsere zukünftige Energieversorgung und für mehr Klimaschutz haben wir einige Projekte und Planungen umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht. Auch hier will ich nur auf eine Handvoll Beispiele eingehen.

Der Bereich Stadtentwicklung hat bei allen Planungen die Folgen des Klimawandels fest im Blick. Mit den geförderten Stellen für Sanierungs- und Klimaanpassungsmanagement sind wir in der Lage, Projekte voranzubringen und für mehr Sensibilität bei zukunftsorientierten Entscheidungen zu sorgen. Die Wärmeplanung konnte mittlerweile abgeschlossen werden und dient als Grundlage für die Ausrichtung unserer Infrastruktur rund um die künftige Energieversorgung.

Ein prämiertes Leuchtturmprojekt, auch in Bezug auf energetische Sanierung, ist unser Klimazentrum, das wir im November 2023 eröffnen konnten. Die Baukosten betrugen 1,3 Mio.€ - bei einer Förderquote von 62%.

Das Konzept des Klimazentrums ist auf eine multifunktionale Nutzung ausgerichtet. Der Mehrzweckraum ist in erster Linie für die Ausübung der Aktivitäten des Dorfvereins vorgesehen. Unterschiedlichste Gruppen, wie z.B. das Reparaturcafé, der Nähkreisel, die Dorfhochschule und Energietreffs bieten Unterstützung, Austausch und Informationen. Hinzu kamen GutKlima-Investitionen mit der Elektro-Drehscheibe und dem Geschirrmobil.

Unter dem Namen FREIRAUM Sehnde betreiben wir seit vergangenem Jahr einen Coworking Space mit sieben Arbeitsplätzen und einem Besprechungsraum. Auch hier lief die Finanzierung über eine Förderung.

Ich unterstreiche hier deutlich: alle Projekte rund um GutKlima, den Dorfladen, das Klimahaus und die vielfältigen Angebote wären ohne ehrenamtliches Engagement und eine aktive Dorfgemeinschaft nicht möglich gewesen.

Ein wesentlicher Pfeiler des Zusammenhalts in unserer Stadt ist das Ehrenamt. Es ist der Kitt unserer Gesellschaft. Ob in der Feuerwehr, in Sportvereinen, in sozialen Initiativen, in der Kultur oder in der Nachbarschaftshilfe – überall engagieren sich Menschen freiwillig für andere. Sie investieren Zeit, Energie und Herzblut, oft ganz selbstverständlich und ohne große öffentliche Aufmerksamkeit.

Dieses Engagement verdient unsere höchste Anerkennung. Es ist nicht nur unverzichtbar für das Funktionieren vieler Bereiche unseres Gemeinwesens – es schafft auch Begegnung, Vertrauen und Gemeinschaft. Es ist der Kitt für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie wertvoll dieses Engagement ist.

Deshalb spreche ich heute allen Ehrenamtlichen in Sehnde meinen tiefempfundenen Dank aus. Sie machen unsere Stadt zu dem, was sie ist: lebendig, solidarisch und menschlich.

Ein Thema, für das Verwaltung und Politik viel Beifall erhalten haben, ist die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, von denen auch die Grundstückseigentümer*innen profitiert haben, vor deren Grundstücke Maßnahmen bereits angelaufen, aber noch nicht abgerechnet waren.

Ein Thema, für das die Verwaltung seit Jahren kritisiert wird, ist die ökologische Entwicklung der öffentlichen Grünflächen. Der Verlust an Artenvielfalt bei den Insekten ist bekanntermaßen dramatisch, weil es häufig an geeigneten Flächen mit Nahrungsangeboten fehlt. Auch das war eines meiner Ziele im Wahlprogramm. So haben wir in den vergangenen Jahren unsere Grünflächenpflege ganz bewusst neu ausgerichtet – hin zu mehr Artenvielfalt und weniger Eingriffen in die Natur mit einem Fokus auf die Förderung der biologischen Vielfalt und eine Verbesserung des Stadtklimas. Mit dem politisch beschlossenen Beitritt zum Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und dem aktuellen Förderprojekt zum natürlichen Klimaschutz gehen wir diesen Weg konsequent weiter.

Dabei erleben wir derzeit eine interessante Entwicklung: Unsere bewusst naturnäher gestalteten Grünflächen werden von manchen als unordentlicher wahrgenommen – vielleicht auch, weil es eben kein englischer Rasen ist. Doch genau das ist ja gewollt: mehr Vielfalt, mehr Leben, mehr Raum für Natur.

Gleichzeitig stellen wir fest, dass die tatsächliche Verschmutzung an anderen Stellen zunimmt – illegale Müllablagerungen auf Wertstoffinseln und in Feld und Wald, immer mehr Hundekot auf Straßen und Wegen, unachtsam weggeworfener Müll und Zigarettenkippen, eine deutliche Verschmutzung im Bereich der Bushaltestellen und des Bahnhofumfeldes, auch in und um unsere Bildungseinrichtungen herum. Der Beseitigungsaufwand bindet Personal und Steuergelder in erheblichem Maße.

Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht allein durch Konzepte, sondern auch durch Verantwortung – die wir alle gemeinsam tragen.

Die Sanierung bzw. der mobilitätsgerechte Umbau der Bushaltestellen im Stadtgebiet ist, bis auf sechs noch in der Förderperiode befindlichen Haltestellen, abgeschlossen. Die umgebauten Haltestellen verfügen jetzt über mobilitätsgerechte Buskappsteine und taktile Elemente. Der überwiegende Teil der Haltestellen wurde mit Wartehallen ausgestattet. Noch in diesem Jahr wird die Region Hannover die Haltestellen in Köthenwald umbauen und wir werden zwei zusätzliche Bushaltestellen im Borsigring bauen. Hier sorgen wir mit einer Veränderung der Linienführung im ÖPNV für eine deutliche Verbesserung der Erreichbarkeit unserer dort ansässigen Gewerbebetriebe. Mit der Region Hannover befinden wir uns im permanenten Austausch, um Erreichbarkeiten und Taktungen stetig zu verbessern.

Insgesamt sind wir beim öffentlichen Nahverkehr einen spürbaren Schritt vorangekommen. Mit dem On-Demand-Service „Sprinti“, bei dem Sehnde als Pilot beteiligt war, ist das Angebot -gerade was die Querverbindungen angeht - flexibler und deutlich attraktiver geworden. Mit der S-Bahn und der 800er-Linie verfügen wir über gute Direktverbindungen Richtung Hannover und zurück.

Für diese zahlreichen Verbesserungen im Nahverkehr bin ich als Bürgermeisterkandidat damals angetreten.

Tatsächlich ist eine gute Erreichbarkeit auch ein Ansiedlungskriterium für Mediziner*innen.

Die medizinische Versorgung bleibt eine große Herausforderung. Auch hier ist der Generationenwechsel in Sicht und die Ansiedlung neuer Mediziner*innen notwendig. Tatsächlich können wir uns aufgrund der Quotierungen ohnehin nur um die Ansiedlung von Allgemeinmediziner*innen kümmern. Als Kommune sind uns hier Grenzen gesetzt, denn über die Ansiedlung und Quotierung entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung.

Aufgrund unseres Ansiedlungsprogrammes für Ärzt*innen ist es gelungen, lang- und mittelfristig vier Hausärzt*innen für eine Tätigkeit in Sehnde neu zu gewinnen und zwei länger zu binden. Gleichzeitig arbeiten wir weiter an Lösungen für die Realisierung eines regionalen Versorgungszentrums im ländlichen Raum für das südliche Stadtgebiet. Das ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein dickes Brett – eines, das wir nur gemeinsam und mit Unterstützung vom Land wirklich voranbringen können.

Auch die zahnmedizinische Versorgung müssen wir genau betrachten. Eine weitere Praxis hat letztes Jahr geschlossen und Sehnde gehört zu den Kommunen, denen laut Zahnärztekammer eine Unterversorgung droht. Herausforderungen, die wir nicht auf die lange Bank schieben können und dürfen und wo ein Austausch zwischen den Beteiligten wichtig ist.

Ein paar Zahlen der letzten sechseinhalb Jahre. Seit November 2019 haben wir:

• mehrere FW-Fahrzeuge im Wert von rd. 2,6 Mio. € übergeben, darunter eine neue Drehleiter, MTWs, MTF, HLF 20, LF 20, TSFs, Fahrzeuganhänger

o sechs weitere Löschfahrzeuge im Wert von rd. 1,6 Mio. € sowie zwei MTW befinden sich aktuell in der Beschaffung

• 468 klimaangepasste Bäume mit artenreicher Unterpflanzung gepflanzt

• 18 Straßensanierungen durchgeführt (teilweise im Rahmen der Dorfentwicklung)

• 44.000 Gäste haben die beiden Bergfeste in den Jahren 2022 und 2025 besucht

• 250 Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten ausgestattet

• 1 Mio. € für die Umsetzung im Digitalpakt 1.0 an den Sehnder Schulen investiert

• 69 neue Spielgeräte auf den Spielplätzen im Stadtgebiet aufgebaut

• 109.348 Meter Glasfaser-Leitung im Rahmen des Glasfaserausbaus mit htp verlegen lassen

Ich habe bis Ende März dieses Jahres rd. 109.000 E-Mails bearbeitet, die in etwas mehr als 2.900 Ordnern abgelegt sind. Das entspricht einem Speicherbedarf von rd. 62 GB und durchschnittlich 80 E-Mails je Arbeitstag.

Apropos Digitalisierung: Ich vermute, Sie stimmen mir zu, dass die Digitalisierung Fluch und Segen zugleich ist und die wenigsten von uns über eine umfassende Medienkompetenz verfügen. Eine der Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres war für mich das Handyverbot an der KGS. Ein großes Dankeschön an Sie, Frau Heidrich, und Ihr Kollegium für diese Entscheidung und Gratulation zu dem Mut, schon vor allen angedachten Regelungen auf Landes- und Bundesebene tätig zu werden und Fakten zum Wohle der Schüler*innen zu schaffen. Was für ein Erlebnis, jetzt in den Pausen hier über das Gelände zu gehen und junge Menschen in der Interaktion und im Spiel zu erleben. Es ist wieder laut auf dem Schulhof und alles ist in Bewegung. Aufklärung und Information werden durch ein Verbot nicht ersetzt, sondern eher temporär unterstützt. Das Verbot ist ein erster Schritt in Richtung eines maßvollen und sinnvollen Umgangs mit dem Handy und in den sozialen Medien.

Cyber-Mobbing und Deep Fakes - Diskussionen über den Umgang mit den Medien werden uns auch zukünftig beschäftigen. Dabei befinden wir uns gesamtgesellschaftlich in einem stetigen Lernprozess.

Einsamkeit ist kein ausschließliches Problem der digitalen Zeit, wird aber durch die Digitalisierung begünstigt und betrifft mittlerweile sogar junge Menschen in einem besorgniserregenden Ausmaß. Die Stadtverwaltung hat sich gemeinsam mit Schüler*innen der KGS, Vereinen und sozialen Einrichtungen dem Thema Einsamkeit gewidmet und das Netzwerk Einsamkeit gegründet. Ein starkes Beispiel dafür, wie wir füreinander Verantwortung übernehmen.

Zum Ehrenamt ist in den vergangenen Jahren eigentlich alles gesagt worden. Dass es unverzichtbar ist. Dass es unsere Gesellschaft trägt. Dass ohne Ehrenamt vieles nicht funktionieren würde. Und trotzdem lohnt es sich, einen Gedanken hinzuzufügen:

Ehrenamt ist heute mehr denn je Ausdruck von Verantwortung und Zusammenhalt – aber auch von dem Wunsch, unsere Gemeinschaft aktiv mitzugestalten.

Die Unterstützung des ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements, das in Sehnde erfreulich stark ausgeprägt ist, war bereits in meinem politischen Schaffen vor der Wahl zum Bürgermeister eines meiner wichtigsten Anliegen. So wurde dann auch bereits im Jahr 2019 eine Stelle für Ehrenamtskoordination geschaffen. Eine unverzichtbare Stelle für Unterstützungsleistungen, Netzwerk- und Verknüpfungsarbeit. Leider ist diese Stelle nach einem Personalwechsel seit mehreren Monaten vakant und konnte erst jetzt wieder neu besetzt werden. Der neue Kollege hat zum 1.4. seinen Dienst angetreten – darüber freuen wir uns sehr.

Längere Vakanzen sorgen in einer insgesamt doch kleinen Verwaltung immer für eine erhebliche Belastung bei den Kolleg*innen, die die Lücke füllen und Aufgaben zusätzlich stemmen.

Ich bedanke mich bei allen, die sich einbringen – oft selbstverständlich, oft im Hintergrund, aber immer mit großer Wirkung für unsere Stadt. Sie tragen durch die Übernahme von Verantwortung zur Teilhabe und Mitgestaltung bei und schaffen Zusammenhalt und Zugehörigkeit.

Ein Bereich, in dem ehrenamtliches Engagement ganz besonders wichtig ist, ist und bleibt die Unterstützung von Geflüchteten. Nach den Jahren mit hohen Zugangszahlen – insbesondere seit 2015 – hat sich vieles verändert. Strukturen sind gewachsen, Abläufe haben sich professionalisiert, und in Zusammenarbeit mit karitativen Trägern ist vieles verlässlicher und geordneter geworden. Wir alle haben in dieser Zeit dazugelernt. Gleichzeitig bleibt klar: als Kommune können wir die Unterbringung und Versorgung sicherstellen. Aber alles, was darüber hinausgeht – das Ankommen, das Miteinander, das Menschliche – lebt vom Engagement vieler Ehrenamtlicher.

Ein hervorragendes Beispiel für großes Engagement ist der Civitan Club mit der Tafel. Hier werden seit über 20 Jahren Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützt und mit dem Nötigsten fürs Leben -vor allem mit Lebensmitteln- versorgt. Die Tafel ist derzeit in der Sporthalle Waldstraße untergebracht. Das war ursprünglich als Übergangslösung gedacht. Leider haben wir trotz intensiver Suche bislang keine geeignete dauerhafte Unterkunft gefunden. Viele Optionen wurden geprüft, doch oft scheiterte es an baulichen oder räumlichen Voraussetzungen. Umso wichtiger ist es, dass wir hier gemeinsam dranbleiben. Wir stehen weiterhin im engen Austausch, um eine passende Lösung zu finden – die Arbeit, die dort geleistet wird, ist von unschätzbarem Wert für unsere Stadt.

Transparenz über die Arbeit und über das, was passiert, ist nicht nur ein Ziel meiner Arbeit, sondern auch eine ganz persönliche Triebfeder. Unser Anspruch war und ist es, offen zu zeigen, wofür Verwaltung steht, wie Entscheidungen entstehen und welche Projekte wir voranbringen. Nach dem Motto agieren statt reagieren wollen wir erklären, informieren und die Menschen mitnehmen.

Wir haben aber auch gemerkt, wie anspruchsvoll das ist. Transparenz lässt sich nicht einfach verordnen – und sie erreicht nicht automatisch alle. Wir nutzen viele Kanäle, um zu informieren, und dennoch wissen wir: Wir können nicht an jeder Tür klingeln.

Umso mehr bleibt es eine dauerhafte Aufgabe, immer wieder neue Wege zu finden, um möglichst viele Menschen zu erreichen, mitzunehmen und einzubinden.

Neben den Bürgermeistersprechstunden, der Homepage, auf der Sie auch alle politischen Entscheidungen und Sachverhalte nachlesen können und dem Newsletter, nutzen wir mittlerweile auch alle geläufigen sogenannten sozialen Medien – außer Tik Tok.

Wir bedienen diese „sozialen“ Kanäle, weil wir um den Medienkonsum und die Zielgruppen wissen, wir wissen aber auch um Informationsblasen, die Verschiebungen im Umgang miteinander und den Ton untereinander und dem, was verbreitet wird. Medial kriegen eher die Meckernden und Schuldzuweisenden das Megafon.

Am 13. September finden die Kommunalwahlen statt; die Kommunalparlamente und die Hauptverwaltungsbeamt*innen werden gewählt. Drei Sehnder*innen stehen aktuell als meine Nachfolgenden für das Amt als Bürgermeister*in im Wettbewerb.

Ich wünsche ihnen allen dreien Mut, Herz, Klarheit und uns einen fairen Wahlkampf. Auch wenn Sie jetzt in Konkurrenz zueinander stehen, sich positionieren und abgrenzen wollen und müssen, denken Sie bitte daran, dass Sie alle drei ein Ziel haben: unsere schöne Stadt für die Menschen, die hier leben und arbeiten voranzubringen und lebenswert zu halten. Und behalten Sie dabei im Blick, dass dazu auch die Übernahme der Verantwortung für ca. 470 Mitarbeitende in der Stadtverwaltung und den städtischen Gesellschaften gehört.

Demokratie lebt nicht vom Gegeneinander, sondern vom Ringen um die besseren Lösungen. Sie braucht Unterschiedlichkeit – aber auch den gemeinsamen Willen, Verantwortung zu übernehmen. Gerade auf kommunaler Ebene wird das besonders deutlich: Hier geht es nicht um große Parolen, sondern um konkrete Entscheidungen, um das tägliche Zusammenleben, um das, was unsere Stadt im Innersten zusammenhält.

Demokratie ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die Beteiligung braucht, Respekt – und die Bereitschaft, auch andere Perspektiven auszuhalten.

Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Weg auch in Zukunft in Sehnde gemeinsam gehen werden.

Für meinen Teil kann ich sagen: Ich habe dieses Amt immer mit großer Überzeugung und gern ausgeübt. Und ich gehe mit dem guten Gefühl, dass unsere Stadt auf einem starken Fundament steht – getragen von vielen Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und Sehnde zu dem machen, was es ist, einer liebens- und lebenswerten kleinen Stadt auf dem Land und am Rande der Landeshauptstadt.

Ich werde die weitere Entwicklung unserer Stadt mit großem Interesse und mit Zuversicht beobachten und meiner Nachfolgerin / meinem Nachfolger noch das ein oder andere Projekt übergeben.

Meine Damen und Herren,

wenn ich heute auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann tue ich das mit großer Dankbarkeit – für viele Begegnungen, für Vertrauen, für Unterstützung und für das gemeinsame Gestalten unserer Stadt.

Sehnde ist das, was es ist, weil sich Menschen einbringen. Weil sie Verantwortung übernehmen. Weil sie nicht nur sagen, was besser sein könnte, sondern auch mit anpacken.

Ich durfte in meiner Amtszeit viele genau solcher Menschen kennenlernen – in der Verwaltung, in der Politik, im Ehrenamt und mitten in unserer Stadtgesellschaft. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und ich bin überzeugt: Unsere Stadt hat eine gute Zukunft vor sich. Nicht, weil alles einfach ist – sondern weil wir gelernt haben, gemeinsam Lösungen zu finden, Herausforderungen anzunehmen und Verantwortung zu tragen.

Denn am Ende gilt, was Helen Keller einmal treffend formuliert hat:

‚Alone we can do so little; together we can do so much.‘

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen weiterhin Zuversicht, Gesundheit und den Mut, sich einzubringen – für unsere Stadt und für das, was uns verbindet.

Vielen Dank.

Ehrungen bürgerschaftliches Engagement

Zum Ehrenamt ist alles gesagt. Eines ist mir ganz besonders wichtig:

Ohne Engagement gibt es keinen Zusammenhalt - ohne Zusammenhalt gibt es keine Gemeinschaft.

Deshalb: Danke an alle, die unsere Stadt mit ihrem Einsatz jeden Tag ein Stück besser machen.

Nach den „Richtlinien zur Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt Sehnde“ werden jährlich Personen gewürdigt, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement besonders verdient gemacht haben.

Die "Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements" ist eine Möglichkeit, Danke zu sagen und denjenigen Anerkennung zu schenken, die sich in gewachsenen Vereins- und Verbandsstrukturen sowie in neuen Formen des Engagements mit so viel Herzblut und Einsatz für ihre Mitmenschen einsetzen.

Es ist mir eine Freude heute für folgende Personen die Ehrungen für bürgerschaftliches Engagement vorzunehmen:

Frau Cornelia Beutelsbacher, Herr Eckhard Schmidtke

Frau Monika Sievers-Appel

Frau Birgit Bettmann

Cornelia Beutelsbacher und Eckhard Schmidtke

Im Kalenderjahr 2026 finden in Niedersachsen Kommunalwahlen statt.

Die Tätigkeit als Wahlhelfer*in ist hierbei ein besonders bedeutendes ehrenamtliches Engagement, weil sie eine zentrale Rolle für das Funktionieren unserer Demokratie spielt.

Zunächst sichern Wahlhelfer*innen die ordnungsgemäße Durchführung von Wahlen. In Deutschland werden Wahlen durch Wahlleitungen koordiniert, doch ohne die vielen freiwilligen Helfer*innen in den Wahllokalen wäre eine korrekte und reibungslose Wahl nicht möglich. Sie prüfen Wahlberechtigungen, geben Stimmzettel aus, achten auf die Einhaltung der Wahlgrundsätze und zählen am Ende die Stimmen aus. Dadurch gewährleisten sie Transparenz, Fairness und Rechtssicherheit.

Darüber hinaus stärkt das Ehrenamt als Wahlhelfer*in das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Prozesse. Wahlen bilden die Grundlage für die Zusammensetzung der politischen Gremien vom Deutschen Bundestag bis zum Ortsrat und damit für politische Entscheidungen, die alle Bürger*innen betreffen. Wenn engagierte Bürger*innen selbst Verantwortung übernehmen, wird deutlich, dass Demokratie nicht nur von Institutionen, sondern vom aktiven Mitwirken der Gesellschaft lebt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung des Gemeinschaftssinns. Als Wahlhelfer*in arbeitet man im Team, übernimmt Verantwortung und erlebt unmittelbar, wie demokratische Mitbestimmung praktisch umgesetzt wird. Dieses Engagement stärkt das Bewusstsein für politische Teilhabe und motiviert oft auch zu weiterem gesellschaftlichen Einsatz.

Zusammenfassend ist das ehrenamtliche Engagement als Wahlhelfer*in von großer Bedeutung, weil es die demokratische Ordnung sichert, das Vertrauen in Wahlen stärkt und aktives bürgerschaftliches Verantwortungsbewusstsein fördert. Demokratie funktioniert nur dann dauerhaft, wenn Menschen bereit sind, sich für sie einzusetzen – Wahlhelfer*innen leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag.

Jede der genannten Personen hat das Amt der Wahlhelfer*in bis heute bei 13 Wahlen ausgeübt.

Monika Sievers-Appel

„Sternenzauber und Frühchenwunder e. V.“ nennt sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hilfe für die Kleinsten und ihre Familien zur Verfügung zu stellen. Für diesen Verein engagiert sich die in Höver lebende Frau Sievers-Appel.

Der Verein stellt den Einrichtungen zur Versorgung von Frühgeborenen u. a. kostenlos Einschlagdecken, Kleidung, Mützen und Erinnerungen zur Verfügung. Frau Sievers-Appel ist seit September 2020 eine von ca. 1.600 Mitgliedern des Vereins.

Sie betreut das AKH Celle, die Kinderklinik auf der Bult, eine Hebammenpraxis, den Verein „Leere Wiege Hannover e. V.“ sowie ein Bestattungsunternehmen.

Auf deren Anforderung strickt, näht und häkelt sie auf selbst beschafften Maschinen liebevoll die Dinge für die Frühgeborenen und Sternenkinder.

Birgit Bettmann

Frau Bettmann ist seit Oktober 1993 ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr tätig, zunächst in der Jugendfeuerwehr und danach im aktiven Dienst.

Im Mai 1998 war sie maßgeblich an der Gründung der „Jugendfeuerwehr U10“ beteiligt und setzte damit einen wichtigen Grundstein für die Bildung der Kinderfeuerwehr im Stadtgebiet Sehnde. In den Jahren

2003 bis 2010 lebte Frau Bettmann in Österreich und war auch dort in der Feuerwehr aktiv. Nach ihrer Rückkehr nach Wassel in 2010 setzte sie ihren Dienst in der dortigen Ortsfeuerwehr fort.

Im Jahre 2012 nahm sie an einem Seminar zur Brandschutzerziehung teil und hat die Wichtigkeit dieser Aufgabe zu einem wesentlichen Inhalt ihres Wirkens in der Freiwilligen Feuerwehr gemacht. Seit April 2013 ist sie die Stadtkinderfeuerwehrwartin in der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Sehnde und übt diese Funktion nach wie vor aus. In 2019 übernahm sie auf Regionsebene zunächst die Funktion der stv. Regionskoordinatorin für Brandschutzerziehung und ist seit 2022 die Koordinatorin auf Regionsebene.

Im Jahr 2023 wurde in der Freiwilligen Feuerwehr Sehnde auf Stadtebene die Funktion „Brandschutzerzieher*in“ eingeführt, die Frau Bettmann seitdem ausübt. Sie koordiniert die Brandschutzerziehenden in der Stadtfeuerwehr Sehnde und führt zudem selbst Brandschutzerziehung in den Kitas und Schulen sowie bei Veranstaltungen in der Stadt Sehnde durch. Im Rahmen ihrer überörtlichen Aktivitäten engagiert sie sich in der Vernetzung der Brandschutzerziehenden innerhalb der Region Hannover und darüber hinaus.

Sie ist neben der Organisation von Aktionen sowie Veranstaltungen im Stadtgebiet Sehnde (u. a. Ferienpass, Veranstaltungen mit dem Thema Brandschutz) auch an der Organisation von Veranstaltungen auf Landesebene beteiligt.

Neben der Brandschutzerziehung junger Menschen organisiert sie Brandschutzaufklärung für lebenserfahrene Sehnder*innen und führt diese zudem selbst durch.

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