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Arhäologischer Ergebnisbericht zur Burg Stederdorf und dem Rosenthaler Tor in Peine

  • Thomas
  • 19. Mai 2026 um 14:22
  • 749 Mal gelesen
  • 0 Kommentare
  • 4 Minuten
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Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt. Bitte beachten Sie, dass bei einer automatisierten Sprachsynthese kleine Ungenauigkeiten in der Aussprache auftreten können.

Von Thomas Budde M.A.

Mehrere Tiefbaumaßnahmen der Stadtwerke Peine und SEP, die der Verfasser archäologisch begleitete, führten in letzter Zeit neuen archäologischen Erkenntnissen über Wehranlagen und Altstraßen im Peine Stadtgebiet. Hier soll zunächst über die Burg Stederdorf und das westliche Stadttór der Peiner Altstadt, das Rosenthaler Tor, berichtet werden.

Die Stederdorfer Burg wurde 2016-18 im Zuge des Schulneubaus in Stederdorf im Bereich des „Wallhofs“ (heutiger Jugendtreff) durch den Verfasser nachgewiesen und 2024 in den „Oberger Blättern“ ausführlich publiziert. Die demnach in der Zeit um 1200 schon vorhandene Anlage musste 1306 nach einer verlorenen Fehde als Sühneleistung durch die Burgherren, die Herren von Oberg, ebenso wie die Burg Oberg selbst, geschleift werden und wurde nicht wieder als Burg aufgebaut. Dabei ist jeweils von Steintürmen („turres lapidae“) die Rede. Zusammen mit dem Nachweis eines umgebenden doppelten Wallgrabens ist die leicht erhöht gelegene Anlage als typische Turmhügelburg bzw. „Motte“ zu deuten. Allerdings wurde bis 2018 nur etwa ein Viertel des Grundrisses – im Südosten - geklärt. Bei der Anlage eines Regenwasserschachtes im Bereich der Zufahrt südwestlich des Wallhofgebäudes wurde kürzlich ein weiteres Mal der zugefüllte innere Burggraben angeschnitten. Dadurch kann die Grundrissrekonstruktion nun stark erweitert werden. Wir können jetzt sicher von einer für diesen Burgentyp typischen runden bis ovalrunden Kernburg von etwa 60 Metern Breite ausgehen. Über die Innenbebauung und die im Westen zu vermutende Vorburg wissen wir bisher noch nichts. Weitere Erkenntnisse sind aber mangels massiver Überbauung gut möglich.

Gleich zweimal wurden bei Leitungsreparaturarbeiten der Stadtwerke 2024 und 2025 im Einmündungsbereich Windmühlenwall – Rosenthaler Straße massive Fundamentreste des „Rosenthaler Tores“ entdeckt, durch das die Peiner Altstadt über den „Damm“ einst in Richtung Hildesheim verlassen wurde. Historische Bild- und Schriftquellen zu diesem Tor sind nur äußerst dürftig. Auf dem Festungsriss von Bern Spörde (1675) ist ein halbrunder Turm als Überrest des mittelalterlichen Tores lediglich angedeutet. Man sieht ansonsten noch die lange Torbrücke über den heute längst verfüllen breiten Stadtgraben. Im Mittelalter und früher Neuzeit müssen wir, wie bei allen Peiner Stadttoren, mit einer Zugbrücke rechnen.

Genauere Erkenntnisse über dieses Tor sind daher nur archäologisch möglich. 1985 wurde bei umfangreichen Erdarbeiten für Leitungsverlegungen im nördlichen Bereich der Straßeneinmündung an insgesamt sieben Stellen Pfahlgründungen mit einem darüber gelegten Fundamentrost aus Eichenbalken mit „Schwalbenschwanz“-Verbindungen entdeckt. Darüber Fundamentreste aus Sandstein. Die Maßnahme wurde vom damaligen Institut für Denkmalpflege begleitet, doch fanden sich bei einer Sichtung 2017 keine Pläne oder Fotos. Vorhanden ist jedoch ein grobes Aufmaß des Peiner Ingenieurs Wildt. Eichenpfähle und Balken wurden zwar geborgen, sind aber heute leider verschollen, ohne dendrochronologisch datiert worden zu sein. - Die neuen Entdeckungen in den Stadtwerkegruben erfolgten auf der gegenüber liegenden, südlichen Seite der Straßeneinmündung. Gefunden wurde ein massives Bruchsteinfundament in hartem Kalkmörtel, das auf der Grubensohle in über 1,80 m Tiefe noch nicht zuende war. Es wurde hier die Südkante des Torfundamentes erfasst. Darunter ist eine hölzerne Substruktion wir die von 1985 zu erwarten. Insgesamt gewinnen wir ein wenngleich lückenhaftes Bild von einem großen, wohl rechteckigen Stadttor, das einst die gesamte heutige Straßeneinmündung auf etwa 8 Metern Breite einnahm. Datierende Funde blieben wegen moderner Störungen durch Leitungsgräben aus. Es muss daher unklar bleiben, ob es sich um Reste des mittelalterlichen Tores handelt, zu dem dann seitlich noch der Halbrundturm vom Spörde Plan (1675) hinzukäme, oder aber um einen Torneubau aus der Zeit nach 1675.

Kontakt:

Thomas Budde M.A.

Archäologie Peiner Land

Im kleinen Hope 31

31234 Edemissen-Abbensen

Tel. 05177- 985 345

Beigefügte Abbildungen:

(alle von Th. Budde)

Der südwestlich des im Hintergrund zu sehenden Wallhof-Grbäudes erneut angeschnittene innere Burggraben der Burg Stederdorf.

Blick von der Rosenthaler Straße auf die 2025 angelegen Reparaturgruben. Links Einmüdnung Windmühlenwall. Man muss sich vorstellen, dass die Rosenhaler Straße laut Grabungsergebnissen hier einst in volle Breite durch das nachgewiesene Tor versperrt war.

Blick in die 2025 angelegte Reparaturgrube mit den freigelegten Fundamentresten des Stadttores, zu sehen links der alten Wasserleitung. Das Mauerwerk ist stark durch diverse moderne Bodeneingriffe gestört, unten aber komplett massiv.

Der Befestigungsriss des Bern Spörde von 1675 zeigt, wie Peine einst zur Festungsstadt umgebaut werden sollte. Verwirklicht wurden letztlich nur die Schloßfestung (unten). Der Plan zeigt grob auch die damals noch bestehenden Befestigungsanlagen, wie hier die Reste des „Rosenthaler Tores“ am Stadtgraben mit einem Halbrundturm und das auf Höhe der Kniepebnurg am Fuhsedurchlass vorgelagerte, noch besser erhaltene „Dammtor“ mit innerem und äußerem Rechteckturm (Kartengrundlage: Stadtarchiv Peine).

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