Das Wunder von Lengede – Als die Hoffnung aus der Tiefe zurückkehrte
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Thomas -
8. November 2025 um 13:14 -
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Lengede, 7. November 1963. Ein kalter Herbstabend im Peiner Land, an dem sich die Ereignisse zuspitzen. Scheinwerfer tasten durch Nebelschwaden, Stimmen flüstern, Menschen stehen dicht gedrängt vor dem Schacht Mathilde. Und dann, kurz nach Mitternacht, wird aus einer Tragödie ein Moment, der in die Geschichte eingehen soll: Elf Bergleute, seit zwei Wochen verschüttet, werden lebend aus der Tiefe ans Tageslicht geholt. Was hier geschieht, wirkt fast wie ein Wunder, doch es ist das Ergebnis von Hoffnung, Ausdauer und unermüdlicher Arbeit.
Der Unfall
Am Abend des 24. Oktober 1963 läuft die zweite Schicht im Erzbergwerk scheinbar wie gewohnt. Gegen 20 Uhr jedoch zerreißt ein dumpfer Schlag die Routine. Ein stillgelegter Klärteich bricht ein, Schlamm stürzt in die Stollen und überflutet binnen kürzester Zeit große Teile des Grubensystems. Für die Männer unter Tage bleibt kaum Zeit zu reagieren. Während sich 89 Bergleute retten können, verlieren 29 ihr Leben. Andere gelten zunächst als verschollen. Für sie beginnt ein Überlebenskampf im Dunkeln – mit ungewissem Ausgang.
Tage des Bangens
Über Tage herrscht eine Mischung aus Verzweiflung und rastloser Aktivität. Retter arbeiten Schicht um Schicht, bohren, pumpen, kalkulieren und hoffen. Immer wieder drohen neue Erdbewegungen die Rettungsversuche zunichtezumachen. Viele glauben zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Überlebende. Doch am 3. November geschieht das erste Zeichen: Ein Klopfen aus einem Bohrloch – Antwort aus der Tiefe, ein Beweis, dass noch Leben dort unten ist.
Die Rettung
In den folgenden Tagen richtet sich alles auf eine letzte Chance. Ingenieure berechnen Zentimeter für Zentimeter, um einen Rettungsschacht zu treiben, der die Eingeschlossenen erreichen könnte. Es wird Tag und Nacht gearbeitet, während Angehörige und Kollegen draußen ausharren. Am 7. November ist es soweit. Eine schmale, metallene Rettungskapsel – die sogenannte Dahlbuschbombe – wird in die Tiefe gelassen. Dann beginnt ein Moment, der die Zeit einfriert. Einer nach dem anderen wird aus der Dunkelheit heraufgeholt. Erschöpft, unterkühlt, mit Schlamm bedeckt – aber lebend. Als der elfte Mann sicher an der Oberfläche steht, lösen sich Spannung und Angst in Tränen, Jubel und Umarmungen.
Ein Ereignis, das bleibt
Das „Wunder von Lengede“ wird zu einem Symbol – für technische Präzision, für die Kraft der Solidarität und für die Hoffnung, die selbst im aussichtslosesten Moment nicht aufgibt. Die Bilder des Rettungseinsatzes gehen um die Welt, Reporter berichten aus dem kleinen Ort, der plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Bis heute erinnern sich Zeitzeugen an die Stille vor dem ersten Klopfzeichen, an die Zitterminuten beim Hochziehen der Kapsel – und an den Augenblick, in dem Leben statt Tod aus der Tiefe kam. Lengede wurde dadurch zu einem Ort, an dem Geschichte nicht nur erzählt, sondern gefühlt wird. Ein Ort, an dem das Unmögliche möglich wurde. [caption id="attachment_23932" align="alignnone" width="770"]
Rettungsmannschaften und Angehörige vor der Eisenerzgrube in Lengede, Niedersachsen, in der gerade versucht wird, eine Gruppe verschütteter Bergleute zu retten. (pa/AP)[/caption] Redaktion Antenne-Peine Text Thomas Ungewiß