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Archäologischer Ergebnisbericht zu den Baubegleitungen unter der Schlossbleiche und Fuhsering: Hannoversche Heerstraße und Eulenburg

  • Thomas
  • 7. Juli 2026 um 16:34
  • 298 Mal gelesen
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  • 4 Minuten
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Archäologischer Ergebnisbericht zu den Baubegleitungen unter der Schlossbleiche und Fuhsering: Hannoversche Heerstraße und Eulenburg

Von Thomas Budde M.A.

Um die breite, moorige Fuhseniederung am Nordrand Peines ranken sich noch viele archäologische Rätsel. Dank Kartenzeugnissen aus dem 17./18. Jh. wissen wir, dass hier einst die Hannoversche Heerstraße von der Schlossstraße aus Peine verließ und einen halben Kilometer durch das Moor führte, um am Eingang des Ortsteils Telgte wieder Festland zu erreichen. Im 19. Jh. wurde auf der Heerstraße der Fahrbahndamm der Vöhrumer Landstraße angeschüttet, auf der sich der Verkehr bis in die 1970er Jahre in die Innenstadt quälte. Erst dann haben der Bau des Fuhserings und der Westumgehung (B 444) alles verändert. Ein Überbleibsel der alten Chaussee ist die heutige Straße „Schlossbleiche“. Mit dem Schlosstor vor Peine und dem Brückenkopf „Eulenburg“ vor Telgte wies die Heerstraße zwei bedeutende Wehranlagen auf, die dem Schutz Peines dienten. Die historischen Karten geben nur wenig Auskunft darüber. Lösungen kann nur die Archäologie liefern.

Dass die Heerstraße nicht, wie früher immer vermutet worden ist, mittelalterlich ist, legten vor einigen Jahren schon archäologische Baubegleitungen unter der Schlossstraße und der östlichen Fahrbahn des Fuhserings vor Telgte nahe. Hier wurde die Hannoversche Heerstraße erstmals nachgewiesen, blieb aber in der Konstruktion noch rätselhaft. Die Funde reichten maximal in das späte 16. Jahrhundert zurück. Ein mächtiger Eichenständer einer damals nachgewiesenen Zugbrücke auf Höhe der Eulenburg wurde dendrochronologisch gar erst in die Zeit um 1634 datiert, doch konnte die Zugbrücke erst später hinzugekommen sein.

Im Spätsommer 2025 erforderten Wasserrohrbrüche und Undichtigkeiten komplexe Erdarbeiten der Stadtwerke unter der Schlossbleiche sowie der westlichen Fahrbahn des Fuhserings auf Höhe der Eulenburg. Diese wurden allesamt archäologisch begleitet und sind jetzt ausgewertet worden. Erstmals überhaupt konnte die Heerstraße unter der Schlossbleiche nachgewiesen werden, und zwar in einem kleinen Suchstich in zwei Metern Tiefe. Die Erdarbeiten errreichten ansonsten nicht in diese Tiefe. Aufschlussreicher, da tiefer reichend, waren die Nachweise unter dem Fuhsering. In 1,40 und 1,70 m Tiefe zeigten sich erste Wegespuren, die von späteren Aufschüttungen und Erneuerungen zeugten. Die eigentliche, erste Heerstraße lag in 1,90 bis 2,10 m Tiefe, nur knapp über dem Grundwasserspiegel. Die Konstruktion konnte nun besser geklärt werden: Längs- und Querhölzer wurden in geringen Abständen gitterrostartig verlegt und dazwischen Erde festgestampft. Dabei wurde auffallend viel Steinschotter verwendet, am Übergang zum Festland sogar ausschließlich Schotter, damit die Fuhrwerke nicht steckenblieben.

Eine dendrochronologische Probe eines von mehreren Eichenpfählen, die die Heerstraße im Westen begrenzten, konnte im Labor von A. Best in Schifferstadt exakt ins Spätjahr 1549 datiert werden. Da die in der Straße eingelagerten Funde dazu passen, dürfte damit ein exaktes Datum für die Heerstraße, und somit wohl auch für das Schlosstor und die Eulenburg gefunden worden sein. Erwähnenswert sind noch gut erhaltene Eisenfunde aus den Straßenschichten, die meist mit dem Detektor geborgen worden sind, darunter viele Hufeisenreste und Achsnägel. Hinzu kommt im Bereich Schlossbleiche noch der Nachweis einer bisher unbekannten, 5 Meter breiten Fuhsebrücke mit Fundamenten aus mächtigen Sandsteinquadern und Bruchsteinen. Sie ist der Chaussee der Vöhrumer Landstraße in der Zeit um 1800 bis ins späte 19. Jh. zuzuweisen.

Kontakt:

Thomas Budde M.A.

Archäologie Peiner Land

Im kleinen Hope 31

31234 Edemissen-Abbensen

Tel. 05177- 985 345


BuHH:

Ein Teil der großen Baustelle unter dem Fuhsering, Blick nach Telgte


BuHH 1:

Die Spuren der Hannoverschen Heerstraße wurden ständig in den neuen Leitungsgräben und Schächten verfolgt. Die ursprüngliche Heerstraße lag in 1,90 bis 2,10 m Tiefe, darüber Erneuerungsschichten.

BuHH 2:

Ein Teilausschnitt der ersten Heerstraße in 1,90 m Tiefe unter dem Fuhsering mit gitterrostartig längs- und quer verlegten Hölzern. Dazwischen festgestampfte Erde, mit Schotterlagen.


BuHH 3:

Ein im Weghorizont der Heerstraße gefundenes Hufeisen, das ganz mit Straßenschotter verbacken ist. Detektorfund von D. Thiel, Peine.


BuHH 4:

Eine Auswahl von Metallfunden aus dem Heestraßenhorizont, darunter vor allem Achsnägel und Hufeisenfragmente, eine geschmiedete Kette, eine große Krampe, eine Musketenkugel etc. (16. bis 18. Jh.). Weitgehend Detektorfunde von J. Heuer, Lengede.

BuHH 5:

Unter der Schlossbleiche wurden Fundamente einer unbekannten Fuhsebrücke der alten Vöhrumer Landstraße aus großen Quadern und Bruchsteinen angeschnitten, die in 1,60 m Tiefe noch nicht endeten. Der überbrückte Wasserlauf von 5 Metern Breite dürfte ein alter Fuhsenebenarm gewesen sein. Datierung um 1800 bis 19. Jh..


Copyright: Th. Budde M.A., Edemissen

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