Überblick über die Ausgrabungen im Lindenquartier. Teil 3 (von 3):
-
Thomas -
17. Dezember 2025 um 09:09 -
460 Mal gelesen -
0 Kommentare -
4 Minuten
Mehr zu diesem Audioangebot
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt. Bitte beachten Sie, dass bei einer automatisierten Sprachsynthese kleine Ungenauigkeiten in der Aussprache auftreten können.
Die südöstliche Vorstadt
Von Thomas Budde
Hiermit folgt der dritte Teil, der sich mit den Entdeckungen in der südöstlichen Vorstadt insgesamt beschäftigt, die zuvor archäologisch völlig unbekannt gewesen ist
Es geht um die vom südlichen Altstadt-Stadtgraben und dem äußeren Stadtgraben eingeschlossene Fläche von gut anderthalb Hektar Größe. Da die beiden Stadtgräben, wie schon berichtet worden ist, im späten 16. Jahrhundert angelegt worden sein müssen, kann auch die Vorstadt selbst nicht älter sein. Angelegt wurde sie vermutlich in Zusammenhang mit der Verlegung des Burgmannenhofs der Herren von Schwicheldt, des „Schwicheldtschen Hofes“, nach dem verheerenden Stadtbrand von 1577 in eben diesen Bereich. Die Datierung der beiden neu angelegten Stadtgräben spricht jedenfalls für einen Zusammenhang mit der damals vom Rat geförderten Aussiedlung des Burgmannenhofs. Der alleinige Grund für den aufwändigen Ausbau der Befestigungswerke dürfte dies aber nicht gewesen sein.
Der in den 1970er Jahren abgerissene Schwicheldtsche Hof schlug sich jedoch kaum archäologisch nieder, da die Gebäude flach gegründet waren und durch den Karstadt- Komplex überbaut worden sind. Wenn der Hof stärker befestigt gewesen wäre, wäre dies bei den Grabungen sicher festgestellt worden. Von der schriftlich erwähnten Wehrmauer fand sich zumindest nichts.
Was sich im Vorstadtbereich ansonsten fand, waren im eigentlichen Bereich des Gröpern im Osten zunächst Siedlungsspuren und Werkplätze der bedeutenden Gröpern-Töpfereinen, über die bereits im zweiten Teil berichtet worden ist. Gruben fanden sich allerdings im gesamten Vorstadtbereich, wenngleich nicht mehr ganz so dicht wie im Gröpern. Es handelt sich um Abfall- und Vorratsgruben sowie „Funktionsgruben“ der gewerblichen Produktion. Neben der Töpferei war auch die Eisenverarbeitung vertreten. Dazu gehörte im Osten auch ein Platz, der ganz mit Eisenschlacken gepflastert war. Die Gruben waren spätmittelalterlich bis frühneuzeitlich, aus dem 14. bis 17./18. Jh,, aber auch Nachweise für die Zeit vor 1300 kamen vereinzelt vor. Eigentliche Siedlungsspuren waren jedoch, abgesehen vom „Schwicheldtschen Hof“ und dem Gröpern, nirgends festzustellen.
Auffällig waren Nachweise von Grabensystemen, darunter die ältesten schon aus der Zeit vor 1300, darunter ein schnurgerade durchgehender Graben vom mittelalterlichen Straßengraben des Gröpern bis hinunter zur Luisenstraße. Ursprünglich wird er in die Fuhse eingemündet sein. Auch mit dem Stadtgraben der Altstadt stand er in Verbindung. Zu den Gräben kommen insgesamt neun nachgewiesene Brunnen, von denen fünf vollständig ausgegraben werden konnten. Vertreten sind als Typen Baumstammbrunnen, Kastenbohlenbrunnen und Daubenbrunnen. Die Datierung reicht vom 13. bis zum 17. Jh. Bemerkenswert ist die exakte dendrochronologische Datierung dreier Brunnen in die Jahre 1222 (+ - 1) und 1310 (jeweils Baumstammbrunnen) sowie 1234 + - 1 (Kastenbohlenbrunnen). Genutzt wurde das Gelände somit schon seit der Gründungszeit der Stadt Peine. Neben der gewerblichen Nutzung deuten insbesondere die Gräben und Brunnen wohl auch auf eine Nutzung als Stadtgärten vor den Toren der mittelalterlichen Stadt.
Großes Interesse weckte vor allem die Entdeckung eines zuvor unbekannten Friedhofs im Zwickel zwischen der Gröpernvorstadt und dem Altstadtgraben. Nachgewiesen wurden insgesamt 35 Gräber von Erwachsenen und Kindern auf einer Fläche von ca. 10 x 20 Metern, die meist – aber nicht immer - regelhaft angelegt waren . Der Friedhof reichte früher weiter nach Norden, vermutlich bis zum ehemaligen mittelalterlichen Stadtgraben auf Höhe der heutigen Wallstraße, und war durch den frühneuzeitlichen Stadtgraben zerstört. Die Gräber ließen sich aufgrund nur sehr weniger Beigaben nicht direkt datieren. Die archäologische Gesamteinbindung spricht zunächst für das späte 13. bis 14. Jahrhundert, was durch eine C14-Datierung konkretisiert werden könnte.
Zu guter Letzt wurden auch einige vorgeschichtliche Siedlungsspuren entdeckt. Vertreten ist dabei definitiv die späte Bronzezeit bis ältere Eisenzeit (ca. 9. bis 5. Jh. v. Chr.). Vorgeschichtliche Siedlungsfunde waren zuvor unter der Peine Altstadt nicht ganz unbekannt, sind aber aufgrund der Überbauung seit dem Mittelalter nur schwer nachzuweisen. Durch die Entdeckungen im Lindenquartier verfestigt sich das Bild in willkommener Weise.
Dunkle Bodenverfärbungen von Gruben von verschiedener Funktion am Südrand des äußeren Stadtgrabens. Insgesamt wurden ca. 150 Siedlungsgruben entdeckt und die meisten davon ausgegraben.
Dieser ausgeprägt, meist schnurgerade Entwässerungsraben reichte vom Straßengraben des Gröpern bis hinunter zur früheren Fuhseniederung und enthielt zahlreiche Funde aus der Zeit im 1300.
Dieser gut erhaltene, im dendrochronologischen Labor A. Best in Schifferstadt auf 1310 datierte Baumstammbrunnen enthielt noch eine zweite innere Brunnenröhre aus einem zweiten Baumstamm.
Dieser Kastenbohlenbrunnen, in dessen Füllung sich zwei irdene Kugelkannen aus dem späten 13. Jh. fanden, konnte auf 1237 (+- 1 Jahr) datiert werden.
Ein Teil des zuvor unbekannten mittelalterlichen Friedhofs während der Ausgrabungen.
Diese beiden kupfernen Schleifenringe fanden sich im Schläfenbereich eines männlichen Bestatteten.
Ausgrabung einer großen vorgeschichtlichen Siedlungsgrube, die eine große Scherbenkonzentration eines Vorratsgefäßes erbrachte.